Kurioses Von Eierkriegen, Schauessen, Prunkgerichten, chlorgebleichten Brötchen
und anderen Kuriositäten
"... „Soso – ihr Italiener eßt also Tomaten. Ein wunderliches Volk.“
Dupois Entsetzen war ihm deutlich ins Gesicht geschrieben und Nikolaus fühlte sich in seiner Sorge unendlich bestätigt. Jedes Kind wußte, daß sowohl Tomaten wie auch Kartoffeln zwar wunderschön anzusehen, aber nicht essbar waren. Unsichtbare Gifte lauerten in diesen Früchten und man sollte sich tunlichst die Hände waschen, sobald man sie nur berührt hatte. Kein Mensch würde sie essen!
„Oh – wir bereiten auch herrlichen Salat mit Essig, Öl und Kräutern. Die Tomaten in feine Scheibe geschnitten und in die Marinade gelegt – glaubt mir, ein wahrer Genuß. Aber nichts gegen die Sauce. Man kann auch Fleisch in die Sauce geben. Klein gehackt harmonieren die beiden unendlich miteinander.“
„Bevor die Deutschen Sauce aus Tomaten über Nudeln oder gar Fleisch gießen, bricht das Jüngste Gericht an. Das sage ich dir!“ wetterte Nikolaus und entriß Fabrizio die Schale. Er wollte sich diesen Unsinn nicht länger anhören...."Aus: B. Rodik, Trimalchios Fest, S. 242, G. Lübbe Verlag;
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Schauessen und Prunkgerichte
Ein mittelalterliches Schauessen diente dem Zweck der Darstellung von eigener Macht und großem Reichtum. Auf herrlich geschmückten, blumenberankten Holztribünen nahmen die hohen Herrschaften Platz und ließen dann vor den Augen des staunenden Volkes auftischen, was Küche und Keller zu bieten hatte. Doch dienten diese Schauessen auch der Armenspeisung - nach aufgehobener Tafel wurden die verbliebenen Speisen an das Volk verteilt.
Ebenso im Mittelalter kamen Prunkgerichte und Zuckerbackwerk auf. Man hörte von einem Kalifen, der eine riesige Moschee nur aus Zucker hatte bauen lassen und wollte es ihm gleichtun. Köche entwickelten sich im Laufe der Zeit zu Meistern in Sachen Backwerk und Prunkgericht. Was im Mittelalter so beliebt war, blieb auch im Barock en vogue. Man glänzte mit Eisskulpturen, Brunnen, aus denen Wein und Parfum flossen und Edelsteine regneten. Mannshohe Türme, Gebäude, Parkanlagen, Figuren der Geschichte - alles wurde in Zucker verewigt. Man stellte Obst mit künstlichem Rauhreif her, der sich nach dem Auftragen langsam löste, damit sich anschließend die gesamte Farbenpracht entwickeln konnte.
Sdchließlich kam auch eine neue Art der Schaugerichte auf: bemaltes Porzellan. Man trug leere Teller auf und stellte sie als eigenen Gang dar. Auf diesen Tellern waren Fische, Tiere, Obst und Gemüse bunt und detaillgetreu dargestellt, so dass die Gäste ihren Appetit auf Kommendes ausbilden konnten.
Was nicht alles in Pasteten verborgen sein kann
Wenn Gilbert Quintus auf dem grandiosen Fest der Wittelsbacher darüber sinniert, ob in der aufzutragenden Pastete wohl ein Kind eingearbeitet ist, so kommt dies nicht daher, dass er mit besonderer Phantasie in Sachen Kochkunst ausgestattet ist, sondern rührt lediglich von dem Umstand, dass meisterhafte, übergroße Pasteten ab dem Mittelalter äußerst beliebt waren. Man betrachtete es als Amüsement, ein ganzes Orchester in einer Pastete spielen zu hören, sah mit Genuß und Begeisterung einen Zwerg aus einer Pastete springen oder aus kleinen Pasteten lebende Vögel gen Himmel flattern. Selbstverständlich wurden weder Orchester noch Hofzwerg mitgebacken, sondern die Pasteten so geformt, dass sie nach dem Backen und Hineinschlüpfen der Hauptperson(en) nachträglich zusammengefügt werden konnten.
Aber auch lebende Aale und kleine Schlangen konnten durchaus im Backwerk versteckt werden. Zur Freude der Herren, denn diese Spezereien waren den Damen zugedacht, deren Kreischen und Schreien beim Anschneiden der Pastete für Erheiterung sorgten. Zudem konnten sich die Herren der Gesellschaft als edle Helden aufspielen, wenn Aale und Schlangen sich windend über Tische, Stühle und Damenröcke in Sicherheit zu bringen gedachten, während besagte Weiblichkeit vor Schreck in Ohnmacht fiel.
Gefärbte Speisen und unselige Bäcker
Das Färben von Speisen blieb ebenfalls bis in barocke Zeiten sehr beliebt. Man färbte mit Petersilie, Schwarzbrot, Blaubeeren, rote Beete und - wenn vorhanden - Safran. Gefärbte Speisen waren so beliebt, dass jedermann versuchte, seinen Speisen besondere Farbtöne zu verleihen. Jedoch entbehrten die meisten der natürlichen Farben oder aber der Phantasie, um künstliche Farbe aus natürlichen Mitteln herzustellen, so dass es hier zu schlimmsten Unfällen kam. Findige Geister färbten mit Grünspan und bleichten mit Blei - was zu gewissen Tragödien bei Tisch führte.
Da sich Weißbrot besonderer Beliebtheit erfreute, gepaart mit hohem Wert, kam manch unseliger Bäcker auf die Idee, Brot und Brötchen mit Alaun oder Chlor zu bleichen, dazu noch ein paar falsche Rosinen - nämlich tote Fliegen - eingebacken und schon konnten den unseligen Bäcker drakonische Strafen ereilen. Auch musste jedes Brot ein gewisses Gewicht aufweisen können. Wurde einem Bäcker zu leichtes Brot nachgewiesen, stand er am Pranger. In manchen Orten wurden unselige Bäcker allerdings auch in Körben über Jauchegruben aufgehängt - wollten sie den Korb verlassen, mussten sie vor den Augen der johlenden Menge in die Grube springen ...
Der Krieg ums Ei
Tischsitten und Benimmregeln bringen nicht nur moderne Menschen manchmal fast um den Verstand oder zumindest so sehr ins Grübeln, dass dabei die Hauptsache vergessen wird: der Genuß am Essen. So wetterte Sebastian Brant (Das Narrenschiff) zu gerne gegen Apostel der Etikette und Sitte und machte sich über sie lustig. Und er fand es erwähnenswert, dass eine Art Krieg ums Ei entbrannt war und die Gemüter spaltete. Man war sich einfach nicht einig darüber, ob das weichgekochte Ei geköpft oder aufgeklopft werden sollte (auch heute noch ein guter Grund für einen langen Disput bei Tisch ....). Die oberen Schichten tendierten generell zum aufklopfen, während Bürger und untere Stände ihre Eier gerne schnell und effektiv mit einem Messer köpften. Jeweils ein unverzeihliches Unding in den Augen beider Seiten - je nachdem, auf welcher man stand. Brant zog also über die höfischen Eieraufklopfer her, die ihrerseits gerne über eierköpfende Bürger herfielen und diese als Barbaren bezeichneten, ob des Umstandes wie sie mit den Eiern umgingen ...
Der Eierkrieg führte schließlich so weit, dass man bei Tisch mit Messern aufeinander losging, wurde man eines Barbaren oder gezierten Oberen ansichtig. Die Tragweite war tatsächlich so weit, dass Wirte Eier nur noch in vorbereiterer Form servierten, um eventuelle Schäden bei Inventar und Gast von vornherein auszuschließen - Eierkuchen kamen groß in Mode. Ab dem 16. Jahrhundert schließlich schwieg man sich hartnäckig aus, wie mit Eiern zu verfahren sei und schweben wir heute noch im Ungewissen und greifen dankbar auf "Eier im Glas" zurück, die einen Zwist am Frühstückstisch übers Klopfen oder Köpfen von vornherein unterbinden ...
Geschälte Erbsen
Erbsen galten im 16. Jahrhundert als Medizin und sollten keinesfalls mit Schale gereicht werden .... glücklich, wer sich Personal leisten konnte, um die Erbsen schälen zu lassen.