Trimalchios Fest
Satyricon antik und im neuen Gewand
"... Das Wasser lief ihm im Munde zusammen, als er von aus Teig gebackenen Pfaueneiern und anderen wundersamen Dingen las. Petronius erzählte von einem gebratenen Eber, aus dem, als er angeschnitten wurde, lebende Vögel herausflatterten. Vier Faunsfiguren hielten Weinschläuche, aus denen gepfefferte Brühe in eine Schale mit Fischen floss, gebratene Hasen mit Flügeln stellten Pegasus dar, und alles wurde auf silbernen Tellern und Schalen gereicht, in denen der Name "Trimalchio" eingraviert zu lesen war. ..."

Aus: Trimalchios Fest, s. 47, G. Lübbe Verlag;



Das antike Festmahl des Trimalchio oder Das Vorbild

In einem Küstenorten in Unteritalien, genauer in Puteloli war die Satire des Petronius angesiedelt, die von Trimalchio erzählte. Einem reichen Emporkömmling mit schlechtem Latein und noch schlimmeren Manieren, aber immensem Reichtum. Freigelassene, die ebenfalls zu Geld gelangt sind, zählen hauptsächlich zu seinen Gästen, aber seine Festgelage, die inszenierten Schauspielen gleichen, die an Fülle und Übermaß nicht zu überbieten sind, locken auch edle Leute an, die zwar die Nase über den zur Schau gestellten Prunk rümpfen, aber dennoch gerne daran teilhaben. Ein Landstreicher namens Encolpius hat die Ehre ebenfalls eingeladen zu werden und berichtet schließlich über die Ausschweifungen des Trimalchio:

28) ".... Wir folgten ihm schon ganz voller Bewunderung und erreichten die Hautür zusammen mit Agamemnon. Dort hing ein Plakat mit folgender Aufschrift: 'Jeder Sklave, der ohne Befehl des Chefs das Haus verläßt, kriegt hundert Hiebe'. Direkt am Eingang stand ein Portier, in einem grünen Gewand mit einem kirschroten Gürtel, und enthülste Erbsen über einer Silberschüssel. Über der Tür hing ein goldener Käfig mit einem Buntspecht, der uns beim Eintreten begrüßte. ..."

Auch über Trimalchios Ehefrau, eine ehemalige Dirne, die nun mit Argusaugen über das Vermögen wacht, wissen die Besucher zu berichten:

"... Das ist Trimalchios Frau", sagte er, »sie heißt Fortunata, und sie mißt das Geld mit Scheffeln. Und vor ganz, ganz kurzer Zeit, was war sie? Mit Verlaub gesagt, du hättest nicht ein Stück Brot aus ihrer Hand angenommen. Jetzt, man weiß nicht wie, lebt sie im siebten Himmel und ist Trimalchios rechte Hand. Kurz, wenn sie ihm am hellen Mittag sagte, es ist duster, er würde es glauben. Er weiß gar nicht, was er besitzt, so stinkreich ist er, aber diese Dame da [scil: eine verächtliche Anspielung auf ihre frühere Tätigkeit als Prostituierte] hat ihre Augen überall, auch wo man's nicht vermutet. Sie ist sparsam, trinkt nicht, ist gewitzt: Goldes wert, wie du wohl siehst. Hat aber ein böses Maul, hält Gardinenpredigten. Wen sie mag, den mag sie; wen sie nicht mag der spürt's. Trimalchio selber hat Grundbesitz, soweit wie ein Habicht fliegt; Zaster über Zaster. In seiner Portiersloge liegt mehr Silber als ein Wohlhabender besitzt. Und erst sein Gesinde ! Ich glaube, keine zehn Prozent von ihnen kennen ihren Boß. Kurz und gut, er kann jeden von den schicken Lebemännern hier ins Mauseloch hauen. ..."

Doch legendär sind die Gelage, zu denen Trimalchio lädt und von denen die Besucher mit Erstaunen berichten:

"... Daraufhin sahen wir Platten mit Masthühnern, Eutern und in der Mitte einen Hasen, den man Federn angestecket hatte, damit er wie Pegasus aussähe, an den Ecken des Tafelaufsatzes bemerkten wir vier Figuren mit kleinen Schläuchen, aus denen pikante Fischsauce auf Fische hinabfloß, die geradezu in einem Teich von Sauce schwammen ..."

"... Sogleich trug man eine Platte herein, auf der ein enormes Wildschwein lag... An seinen Hauern hingen zwei aus Palmblättern geflochtene Körbchen, wovon das eine mit nußförmigenDatteln, das andere mit datteln aus Theben gefüllt war. Herumgelegt waren kleine Schweine aus Kuchenteig..."

"...Endlich wurde ein Speisebrett mit einem ungeheuren Schwein hereingetragen. ... Und der Koch zog seine Tunika wieder an, nahm sein Küchenmesser und schnitt ... dem Schwein hüben und drüben den Bauch auf. Und flugs quollen aus den Schnittstellen, ... , Bratwürste und Blutwürste in Mengen heraus! ..."

"...bemerkten wir auf einmal, wie aus den Bäuchen der Gefäße Austern und Kammuscheln herausfielen, die ein Bursche in einer Schüssel auffing und herumreichte. ... in einem Silberkörbchen brachte der einfallsreiche Koch Schnecken herein und sang dazu mit einer schrecklicch trimulierenden Stimme  ..."

"... und während die Dienerschaft durcheinanderlief, brachte man auf einer Platte ein ganzes gekochtes Kalb ..."
 

Bild: Gelage mit Sklavin

Als ein Koch gar vergessen haben sollte, ein gebratenes Ferkel auszunehmen, wollen ihn einige Gäste verprügeln. Trimalchio aber befielt, das Schwein jetzt - vor aller Augen - auszunehmen:

"... Der Koch ergriff ein Schlachtmesser und schnitt der Sau hüben und drüben den Bauch auf. Im Augenblick gaben die Ritzen dem Druck nach und ließen Bratwürste mit Plunzen hervorkullern. ..."

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Trimalchio im neuen Gewand oder Wer ist Nikolaus Pirment?

Der junge Nikolaus Pirment, geboren in den Wirren des Dreißigjährigen krieges, besitzt ein einzigartiges Talent: Er ist ein begnadeter Koch. Von Regensburg über München führt ihn sein Weg bis an den Hof Ludwigs XIV., wo er seinen Lebenstraum verwirklichen will: ein rauschendes Fest der Sinne zu kreieren, das jenen des antiken Kochs Trimalchio ebenbürtig ist ...

Nikolaus erlebt während des 30jährigen Krieges eine so schreckliche Hungersnot, dass sich der (zu dieser Zeit) noch kleine Knabe schwört: niemals wieder hungern zu müssen. Hierbei hilft sein großes Talent - ein Koch ist dem Essen und den Kochtöpfen so nah, dass der Hunger in weite Ferne zu rücken scheint. Möglich auch, dass ihm aus seinem Lieblingsbuch, das er im Kloster zu Regensburg lesen durfte, ein Satz besonders im Gedächtnis haften blieb:

"... Bemerkte Trimalchio: Ach wir Armen, wie doch der Mensch ein Nichts ist, wenn uns der Teufel geholt hat. Wohl sein wollen wir´s uns lassen, solange es geht. ..."

Und so träumt er fortwährend von Eseln, die an den Seiten Goldschüsseln tragen, die mit Oliven und Käse beladen sind, von Ebern und geflügelten Hasen, von gebratenen Pfaueneiern und anderen Spezereien. Zwar weiß Nikolaus wohl, dass Petronius seinen Trimalchio als schlechtes Beispiel innerhalb einer Satire angelegt hatte, aber Nikolaus sieht die Dinge etwas anders: was kann Schlechtes an einem Menschen sein, der das Essen so sehr liebt wie er selbst?

Auszüge teilw. aus: Text der deutschen Übersetzung teilw. nach: Petron, Satyricon. Übersetzt und erläutert von Harry C. Schnur, Stuttgart 1984, S. 37 - 39 und 44 - 47; lat. Text aus: Petronii Arbitri Satyricon, cum app. crit. ed. Konrad Müller, München 1961, S. 27 f. und 35 - 39.
 
 

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