Kostbarer als Gold Im Reich der Sinne - Gewürze, Tee, Schokolade, Kaffee
"... Gilbert gähnte, streckte sich und nippte an seinem Kakao. Der Franzose hatte Recht gehabt. Das Getränk aus der neuen Welt war sensationell. Eigentlich hätte er als Mann Gottes ausgerechnet vom erotisierenden Kakao die Finger lassen sollen und er trank ihn auch nur, wenn er sich von den Devotés, den Geistlichen Ludwigs, unbeobachtet fühlte, aber er wollte keineswegs darauf verzichten, auch wenn die anderen die schmackhafte Bohne als Teufelswerk betrachteten. ..."Aus: B. Rodik, Trimalchios Fest, S. 275, G. Lübbe Verlag;
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SchokoladeAls der spanische Entdecker Cortez den Hof Montezumas II. durchforstete, fand er unter anderem 25.000 Zentner Kakaobohnen - einen der Schätze Montezumas. Cortez mag enttäuscht gewesen sein, für die Azteken aber war Kakao so wertvoll wie Gold. Wuden Kakaobohnen doch sogar als Zahlungsmittel gebraucht. Für 100 Kakaobohnen konnte man sogar einen Sklaven kaufen.
Kakao wurde gewöhnlich in Form von Fladen verarbeitet, die den spanischen Eroberern wenig schmecken wollten, nach einer gewissen Gewöhnungszeit aber sogar als Reiseproviant mitgenommen wurden.
Allerdings wurde am Fürstenhof der Kakao bereits als Getränk serviert - mit Honig, Rosenwasser und Vanille verfeinert wurde er in komplizierten Abläufen geseit, aufgeschäumt und gequirlt, bis er dickflüssig und heiss serviert wurde. Das Getränk mundete auch den Spaniern. Schließlich schrieb Cortez sogar an den Kaiser (Karl V.): ".. Ein Becher dieses kostbaren Getränkes erlaubt es einem Mann, einen ganz Tag lang zu marschieren, ohne Nahrung zu sich zu nehmen."
Als Cortez 1528 nach Europa zurückkehrte, wollte sich die Alte Welt nicht so recht für die Kakaobohne begeistern lassen - man war dem (damals so empfundenen) eigentümlichen Geschmack eher abgeneigt. Nur in Klöstern kümmerte man sich um die Zubereitung von Kakao und Schokolade - verkauft wurde Kakao in Apotheken. Erst als findige Nonnen auf die Idee kamen, dem Getränk Zucker hinzuzufügen, war der Siegeszug des Kakaoas nicht mehr aufzuhalten. Er kam in Mode. Ganz Versailles verfiel der bald als Laster angesehenen Gewohnheit, von dem als Aphrodisiakaangesehenen Getränk zu naschen. Schließlich wurde der Genuss von Kakao in den Kirchen verboten ... (Die Herrschaften pflegten ihre Getränke mit in die Messe zu nehmen, wobei die Tassen und Gläser mitunter erheblichen Lärm veranstalteten ...)Kaffee
Auch der Kaffee hatte es nicht leicht, sich wirklich durchzusetzen. Wein und Bier am Morgen, während des gesamten Tages - nur die Armen hatten Wasser zu trinken - galt als normal, kräftigend und stärkend. Ein Bericht aus dem 18. Jahrhundert zeigt deutlich, wie sehr man dem Alkohol traute, dem Kaffee hingegen überhaupt nicht: "...Und so ward allmählich diese Thee- und Kaffeesäuferei zu einem Verderbet, welcher die Gesundheit schwächte, weibische Schlappheit und Empfindelei ausbreitete, viele Haushaltungen zugrunde richtete, das Mark der Nation auffraß und jährlich gegen 24 Millionen Gulden aus Teuschland schleppt ..." - hinzuzufügen wäre, dass die Deutschen als Saufnation in ganz Europa verschrien waren ...
Wahrscheinlich kam die erste Schiffsladung Kaffee 1615 nach Europa (Venezianer). Noch 1643 musste der erste Kaffeehändler in Paris seinen Handel wegen mangelnden Erfolges wieder schließen - erst ab 1670 setzten sich Kaffeehäuser in Europa durch. Ab 1700 war auch der Siegeszug des Kaffee nicht mehr aufzuhalten. Hinzu kam die Mode der Adligen, sich in eigens dafür eingerichteten orientalische Salons Kaffee servieren zu lassen.
Tee
Tee schmecke wie "Heu und Mist" - so das ungnädige Urteil von Lieselotte von der Pfalz. Sie blieb lieber bei der morgendlichen, stärkenden Biersuppe. Erstaunlich bleibt, wieviele erlauchte Geister sich über die neue Mode, Tee zu trinken - und das schon am Morgen! - mockierten und wie rasch der Siegeszug des Tees dennoch vonstatten ging.
1664 kam die erste chinesische Schiffsladung Tee nach London. Da Tee mit enormen Zöllen belegt war, förderte dies auch ein weiteres Geschäft - das der Schmuggler. Schriftsteller und andere Genies ereiferten sich zwar im Kampf gegen den Tee, wetterten, dass nun kein Bier und Schnaps mehr gereicht würde am Morgen, sondern Tee und dass einen kräftigen Mann wohl kaum stärken könnte, gegen den Tee kamen sie dennoch nicht an. Denn - obwohl die Teezölle so hoch waren, blieb Tee - natürlich nicht die besten Sorten - noch immer erschwinglicher als Bier oder Milch. So wurde er auch zum Getränk der Armen und der unteren Schichten.
Zucker
Mit den Kreuzrittern kam auch Zucker nach Europa. Jedoch wurde er erst nur von den reichen Schichten als Gewürz verwendet. Gesüßt wurde weiter mit Honig. Hier ist zu ersehen, welchen Reichtum Zuckerbackwerke zur Schau stellen sollten - auch wenn sie nur aus geringen Anteilen Zucker bestanden. Dann kamen findige Köche darauf, Zucker als auch zum Süßen von Speisen zu verwenden und ließen das weiße Gold bald über alles regnen, was zu Tische kam: von Fisch, über Austern bis zu Fleisch. Allerdings blieb dies bis ins 17. Jahrhundert den Reichen vorbehalten. Ansonsten blieb es dabei: Zucker galt als Gewürz und Heilmittel. Erst als Tee zum Getränk in allen Schichten wurde, trat auch der Zucker aus dieser Rolle hervor.
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Gewürze
Pfeffer, Salz, Muskat, Zimt und Nelken
Pfeffer
Bereits das antike Griechenland verwendet bevorzugt Pfeffer zum Würzen von Speisen, wenn auch - wie bei vielen Gewürzen und auch Zucker, zuerst als Medikament. Im alten Rom wurde Pfeffer aus Indien importiert. Durch die langen Transporte und die damit verbundenen Zölle wurde Pfeffer beinahe unerschwinglich teuer und blieb den Reichen vorbehalten.
Als Vasco da Gama 1498 mit einer Ladung Nelken, Pfeffer und Zimt nach Europa zurückkehrte, brachte ihm diese Ladung den sechsfachen Erlös dessen, was ihn die Unternehmung insgesamt gekostet hatte - bei seiner nächsten Fahrt konnte er gar das 50fache erbeuten! Es lag auf der Hand, dass der äußest lukrative Handel mit Gewürzen Nachahmer auf den Plan lockte und die Eroberungsfahrten beschleunigte. Die Entdecker gingen dabei mit äußerster Brutalität vor, nicht zuletzt Vasco da Gama. Die Portugiesen konnten sich schließlich durchsetzen und stampften Niederlassungen aus dem Boden, deren Einkäufe oft auch mit Waffengewalt durchgeführt wurden - im Kampf um die Gewürze kannte man keine Gnade. Gerne wurde auch gefälscht - so war es üblich, angebotene Pfeffersäcke erst daraufhin zu überprüfen, ob der Sack auch bis zum Boden mit Pfefferkörner gefüllt war oder ob nicht doch getrocknete Blaubeeren den Pfeffer verunreinigten ...
Ab dem 17. Jahrhundert sanken allerdings die Pfefferpreise. Die Holländer traten auf den Plan und sprachen den Portugiesen den Rang als Haupt-Pfefferimporteure (per Schiff) ab. Ab 1595 begannen die Holländer mit dem Gewürzhandel, Frankreich schloß ab 1600 auf. Die holländische Ostindiencompany wurde zum mächtigsten Handelsunternehmen der Welt.
Muskat und Zimt
Dabei gingen sie mitunter sehr trickreich vor: Ganze Jahresernten wurden zum Teil mehrere Jahren gelagert, um die Preise künstlich niedrig zu halten. Oder sie verbrannten die Gewürze. 1760 berichtet ein Franzose aus Amsterdam: "Zwei Tage flackerten die Flammen. Über Amsterdam verbreiteten sich Wolken eines wudnervollen Aroma. Auch die Stadt Middelburg in Zeeland hatte solche subtilen Genüsse, wie der Engländer Wilcox zu melden weiß. Zimt, Muskatnüsse udn würznelken wurden auch hier massenhaft vernichtet." Wehe dem aber, der sich erdreistete, auch nur eine Handvoll von der in der Hitze geschmolzenen Muskatbutter zu "rauben", die in den Straßen floß als wäre man im Schlaraffenland ...
Salz
Bereits 1000 v. Chr. wurde Salz von den Kelten abgebaut - die Gewinnung von Salz ist also uralt. Das "Salz des Lebens" bedeutete schlichtweg, dass ab dem frühen Mittelalter Salz als so wichtig betrachtet wurde, dass die Grundbesitzer und Klöster darauf achteten, Salzmonopole anzulegen und Salz mit extrem hohen Steuern zu belegen. Mit dem Salzhandel kamen schwindelerregende Zölle und - wieder einmal - Schmuggler auf. Doch man wurde noch findiger und brummte dem einfachen Volk sogar eine Salzabnahmepflicht auf!
Wer sich dagegen sträubte oder gar auf die Idee kam, Salz aus anderen Quellen als dem eigenen Monopol zu beziehen, den erwarteten drakonische Strafen - von Gefängnis bis zu lebenslanger Galeere. Diese rigorose Vorgehensweise führte zu mehreren Aufständen und Revolten, die jedoch immer blutig niedergeschlagen wurden. Man weiß von Hunderten von Kindern, die ebenfalls zu den Sträflingen zählten, die wegen Salzfälschung in Frankreich gefangengenommen worden waren.
Die Salzsteuer wurde in Deutschland übrigens erst 1993 (!) abgeschafft ...
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